Banken müssen im Web Flagge zeigen

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„Eine Bank, die im Internet nicht Flagge zeigt, braucht auch bald keine Filialen mehr.“, so die klare Aussage von Bank Austria Generaldirektor Willibald Cernko im Interview mit der Kleinen Zeitung (Autor Ernst Sittinger). In diesem Sinne bestätigt dieser die Überlegungen unseres Beitrags „Moments of truth“ für heimische Banken von Anfang des Monats.

Im Interview mit der Kleinen Zeitung beschreibt Cernko den Plan der Bank Austria bald flächendeckend „virtuelle Filialen“ anzubieten. Die Beratung erfolgt über Internet, der Bargeldverkehr mit Automaten.

Nur mehr zweimal monatlich besucht ein durchschnittlicher Bankkunde seine Filiale. Geht es nach Bank-Austria-Generaldirektor Willibald Cernko, dann ist es auch damit bald vorbei. Denn die Bank Austria (BA) verlagert den Großteil ihres Privatkundengeschäfts ins Internet. Das Projekt „virtuelle Bankfiliale“ soll künftig nahezu jede dritte reale Filiale ersetzen (siehe auch Spalte ganz rechts).

Cernko beobachtet derzeit ein „völlig verändertes“ Kundenverhalten: Immer mehr (auch ältere) Menschen würden sich entweder überhaupt nur mehr auf virtuellen Marktplätzen bewegen oder sich zumindest via Internet über Angebote informieren. Cernko: „Im Netz wird vorselektiert. Wenn man dort nicht Flagge zeigt, braucht man auch keine wirklichen Filialen mehr.“ Der Kunde lasse sich nicht mehr „über Schalteröffnungszeiten und Mittagspausen dirigieren“, sondern fordere die freie Wahl der Plattform. Jeder Mitarbeiter werde künftig alle Plattformen bis hin zu sozialen Netzwerken bespielen müssen.

Selbst der Bargeldverkehr wird weiter automatisiert. In Planung sind „Cash-Recycling-Anlagen“, das sind nicht nur Bankomaten und Münzzähler, sondern auch Automaten, an denen man Geldbeträge einzahlen kann.

Das alles hat natürlich nicht nur kulturelle, sondern vor allem finanzielle Gründe. Die Banken stehen enorm unter Kostendruck. Im Retail-Geschäft (Endkundengeschäft) erwirtschaftete die BA zuletzt fünf Prozent Rendite, die Kosten für das Kapital liegen aber bei bis zu zwölf Prozent. Als „Zielkorridor“ der künftigen Gebarung nennt Cernko acht bis zwölf Prozent Rendite.

Quelle: Kleine Zeitung,